Annette bloggt

Mein Weg zu mehr Fairantwortung
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E- Mobilität

11. Oktober 2020

Ich habe ein E-Auto bestellt! Oh ha… 🙂

Mein 15 Jahre alter Golf geht so langsam in die Knie (Kolbenaussetzer…) und da war die Frage nach einem Nachfolger, auch für die vielen Fahrten im Wahlkampf. Für meine Fahrten von Aldingen nach Rietheim ist ein E-Auto optimal (zumal unser Haus mehr Strom produziert als wir verbrauchen, obwohl wir mit Strom über eine Wärmepumpe heizen). Wir hatten dann einen Vergleich der angebotenen Fahrzeuge gemacht. Ein Renault Zoe hat das beste Preis/Leistungsverhältnis. Und die Lieferzeit beträgt nur 3 Monate, anstatt bei deutschen Herstellern fast 6 Monate. Anfang Dezember wird er nun geliefert. Ich freu mich drauf.

Auch aufgrund dieser Bestellung habe ich mich mal wieder kritisch mit dem Thema E-Mobilität beschäftigt, und auch mit den vielen Vorurteilen, die es hierzu gibt. Nach wie vor bin ich der Meinung, dass der motorisierte Individualverkehr weniger werden wird, besonders aber zuerst in den Städten. Bei uns auf dem Land wird dies noch länger dauern. Und übrigens, „auf dem Land“, also der ländliche Raum macht 70% der Fläche von Baden-Württemberg aus, hier leben aber nur 35% der Bevölkerung.

Also, die Vorurteile und meine Sicht darauf:

Thema Sicherheitsrisiko:

Ein erhebliches Sicherheitsrisko (Brand) gibt es nicht. Statistiken (die die noch geringere Zahl der herumfahrenden E-Autos hochrechnen) zeigen, dass Verbrenner häufiger in Flammen aufgehen. Die häufigste Ursache für Autobrände ist laut ADAC, dass Kraftstoff oder Öl austritt und auf heiße Autoteile gelangt oder Reibung von Fahrzeugteilen an brennbaren Materialien. Diese Brandursachen sind beim E-Auto praktisch ausgeschlossen.

Thema Infrastruktur:

Die fehlende Infrastruktur ändert sich täglich. Vor allem auf dem Land gibt es eine Vielzahl an Ladesäulen. Besonders für Besitzer von Eigenheimen, die selbst Strom produzieren und somit ihre eigene Tankstelle sind, gibt es das Problem gar nicht. 90% der Fahrten sind sowieso Kurzstrecken im Umkreis.

Deutschland hat eine Vorbildfunktion, unabhängig davon, dass wir (natürlich) nur einen kleinen Anteil am weltweiten Ausstoß haben. Das deutsche EEG wurde von 113 Staaten kopiert. Die Welt schaut auf Deutschland.

Vorurteil Öl: 

Es ist ein interessanter Gedanke, dass die Ölförderung nicht sinken wird, wenn es weniger Verbrenner gibt, da die Nachfrage in anderen Teilen der Welt steigt. Das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Das würde ja bedeuten, dass es heute eine Nachfrage gibt, die bisher nicht gedeckt werden kann. Das wäre mir neu. Dass zusätzlicher Bedarf dadurch entsteht glaube ich nicht. Maximilian Fichtner vom Helmholtz Institut sagt: Der klassische Verbrennungsmotor wird ein Problem bekommen, wenn er mit fossilen Treibstoffen befeuert wird. Ab 2025 muss mehr als die Hälfte des Öls aus „unkonventionellen Quellen“ geholt werden: aus Fracking, Teersanden, der Tiefsee und der Arktis, was aus ökologischen Gründen nicht gewollt ist. Selbst wenn die Menschheit all diese Quellen nutzen würde, reichte dieses Öl beim bisherigen Verbrauch nur für 13,5 Jahre. Ab 2030 müssen mehr als 80 Prozent aus „unkonventionellen Quellen“ stammen.

Schon heute wird in Kanada in der Provinz Nord Alberta wird seit vielen Jahren im Tagebau ölhaltiger Teersand abgebaut und Erdöl daraus gewonnen. Eine Fläche so groß wie England (142.000qkm2), Wald, wird dafür umgegraben. Um 1 Barrel Rohöl zu gewinnen werden 5 Barrel Wasser benötigt. Wasser, das zurück bleibt und krebserregend ist. Wusstet ihr das? Mir war das neu.

Thema CO2 Ausstoß:

Dass Elektroautos über den kompletten Lebenszyklus betrachtet weniger CO2 ausstoßen wie Verbrenner wurde unzählige Male bestätigt. Die „Schweden-Studie“ die diese Unwahrheit 2017 in die Welt brachte wurde 2019 zurückgenommen. In den Köpfen ist es allerdings drin. Hier habe ich ausführlich dazu berichtet.

Thema Rohstoffe:

Ja für E-Autos wird eine Lithium Batterie benötigt. Wie für vieles andere auch. In Chile ist Lithium ursprünglich ein Nebenprodukt des Abbaus von Salz (z.B. Streusalz) gewesen und wird dort seit 1996 gefördert. Pro Akku werden 12kg Lithium benötigt. Im Gegensatz zu anderen Akkus kann das Lithium aus E-Auto Batterien am Ende de Lebenszeit wiederverendet werden. Um die 12kg Lithium gewinnen zu können werden 24.000kg Wasser benötigt. Um 1 kg Rindfleisch zu produzieren werden 15.000kg Wasser benötigt.

Stand heute gibt es weltweit 125 Mio Tonnen Kobalt. Stand heute werden pro Auto 6,8kg benötigt. Die Hersteller arbeiten mit Hochdruck daran dies zu verringern. Das Tesla Model 3 benötgt nur noch 2,8% davon, Tesla wird ab 2025 kein Kobalt mehr verwenden. Tesla und BMW verwenden kein Kobalt aus dem Kongo. Im Kongo gibt es ca. 50% des weltweit vorhandenen Kobalts. Kobalt ist ein Nebenprodukt des Kupfer und Nickel Abbaus.

Weiter unten findet ihr Links zu diesen Themen.

Ausserdem habe ich heute einen interessanten Artikel zur Geschichte der Elektromobilität gelesen. Ihr findet ihn hier.

https://www.deutschlandfunk.de/hofreiter-gruene-zum-konjunkturpaket-die-automobilindustrie.694.de.html?dram:article_id=477786

https://efahrer.chip.de/news/rohstoffe-fuer-e-auto-akkus-wie-kritisch-ist-die-foerderung-wirklich_101619

https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/erdoel_gefahr_fuer_die_umwelt_0.pdf

https://de.wikipedia.org/wiki/Erdölgewinnung#Ökologische_Folgen_der_Ölförderung

http://mobil.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF-Hintergrundinformation-Profit-um-jeden-Preis-OElfoerderung-in-Naturregionen.pdf

https://m.focus.de/auto/elektroauto/news/auf-die-laufleistung-kommt-es-an-neue-schweden-studie-co2-rucksack-von-akkus-nur-mehr-halb-so-gross_id_11431940.html

https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/nigeria-blei-recycling-fuer-autobatterien-vergiftet-dorf-a-1243727.html

https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/tesla-akkus-wenn-elf-avocados-umweltschaedlicher-als-eine-e-auto-batterie-sind/25291904.html

http://cidadanialxmob.tripod.com/trafficrestraint.pdf

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Autoverkehr-verursacht-Folgekosten-von-141-Milliarden-Euro-4505987.html

https://www.stern.de/digital/online/warum-automatische-boote-die-selbstfahrenden-autos-abhaengen-9397098.html

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Elektroautos-Studien-zum-Schadstoffausstoss-oft-fehlerhaft-und-ignorant-4882407.html

https://www.manager-magazin.de/unternehmen/autoindustrie/porsche-im-abo-studie-sagt-40-prozent-marktanteil-fuer-auto-abos-voraus-a-4c1fc839-ded0-4daa-8911-cf3a6c5d4e9c

https://efahrer.chip.de/news/jetzt-kommt-der-preisrutsch-elektroautos-werden-bald-billiger-als-verbrenner_102949?utm_medium=efahrer-nl&utm_source=efahrer-nl-wy

https://www.greenpeace.de/teersand-kanada

  1. Liebe Leser,
    eine sehr schöne, komplette Zusammenstellung aller Aspekte rund um die elektrische Antriebstechnik. Kritiker rechnen dann immer vor, dass die Produktion dieses Stromes auch CO² erzeugen würde. Woran das wohl liegen wird, frage ich mich. Will auch gleich die Antwort geben, weil Kritiker in ihren Köpfen noch nicht abgespeichert haben, dass man sich verabschieden muss von der Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen; dass Veränderung möglich ist. Leider gehören die Entscheider in den Autowerken immer noch zu dieser Gruppe und verstärken die Skeptiker unter den Autoproduzenten. Die Folgen sehen wir schon jetzt, Deutschland ist nicht Vorreiter, sondern entwickelt sich zielstrebig zum Schlusslicht der Entwicklung. Ein Marktvergleich bei E- Autos (also solche, die nicht nur das Etikett am Heck befestigt haben, sondern die keinen Verbrennungsmotor und kein Getriebe mehr haben) zeigt, dass unsere Industrie zwar am Anfang des Weges steht, aber man fängt nicht mit elektrisch betriebenen Kleinwagen an, solche, die die große Gruppe Berufspendler brauchen könnte, sondern mit leistungsstarken, schweren Luxuskarossen, um geldschwere Käufer von den bisher nie erreichten Beschleunigungswerten solcher Fahrzeug zu überzeugen. Das ist zwar ein Vorteil des Elektroantriebes, aber ein falsch platziertes Verkaufsmerkmal. Deutsche Autoindustrie zäumt also das berühmte Pferd am Schwanz auf. Wir produzieren nicht das, was die Menschen jetzt am dringendsten brauchen, sondern, womit man die größten Gewinne einfahren kann. Wen soll das schon wundern? Einen GRÜNEN, gewiss nicht.
    Jetzt fällt der Industrie plötzlich ein, dass man ja auf Alternativen forschen möchte, Wasserstoff usw.. Ein Schelm, der dabei nicht vermutet, dass man nur Zeit gewinnen will um weiter und ungestört alte Technologie mit garantierter Gewinnerwartung am Leben erhalten und damit die E-Mobilität zu behindern. Was beim E- Bike möglich ist, geht in vielen Bereichen auch beim Auto. Gewiss nicht überall, das sei zugegeben. Das ist aber lange kein Grund, den ersten Schritt zu verweigern.

    Denken wir einmal 75 Jahre zurück. Damals fiel die Entscheidung für die industrielle Großproduktion von Autos, am Standort Wolfsburg. Die wäre niemals ein Erfolgsmodell geworden, wenn das Produkt nicht Volkswagen geheißen hätte; das Auto, was sich jeder leisten können sollte. Da müssen wir heute hin, und nicht erst zum Jahre 2035! Ein Volkswagen mit dem E-Symbol am Heck.

    Wir sind zwar nicht dumm, andere Länder um uns herum sind aber weiter. Sie treiben die Entwicklung an, gleichwohl wir immer noch auf der Bremse stehen. Es könnte ja unkalkulierbare Risiken geben auf dem Weg zum Ziel. Deutsche Unternehmen wollen am ersten Tag immer schon alles kalkuliert haben, sonst fängt man nur halbherzig an zu arbeiten. Das war aber nicht immer so, das beweisen unzählige Wirtschaftsgeschichten der Vergangenheit, nein, dieses zaghafte Denken hat sich mit zunehmenden Gewinnerwartungen sowie Risikoängsten eingebürgert.

    Noch ein Ausblick in die Technik. Wenn wir in gleicher Weise verfahren hätten beim Ersatz der alten Glühbirne, so zaghaft vorgegangen wären, hätte es die ganze Entwicklung über die Leuchtstoffröhre, Energiesparlampe, Halogenlampe bis hin zu LED- Beleuchtung nicht gegeben. Der Weg zum Ziel hat die Ideen befördert. Wer gar nicht erst anfängt wird auch nicht ans Ziel kommen! Wichtig war auch der politische Schlusstermin, den damals die EU gesetzt hat. Die Proteste waren kurz, sinnlos und jetzt lautlos. Das E-Auto heute schreit nach Unterstützung!

    – Die Lithium Batterien sind der Start in die neue Ära. Amerika arbeitet schon an Grenzflächen, also Isolatoren innerhalb der Batteriesegmente aus hauchdünnem Glas, statt Kunststoff. Das ermöglicht höhere Grenztemperaturen, folglich schnellere Ladezeiten und viel höhere Spitzenbelastbarkeit im Entlademodus.
    – Es steht in Erwartung, die seltenen Edelmetalle zu ersetzen durch organische Stoffe. Am Ende einer solchen Entwicklung werden sich viel fragen, warum haben wir das nicht schon früher gemacht?
    – Das Ziel bei Stromtankstellen sollte wenn irgend möglich, die Ladestation zu Hause, versorgt mit dem eigenen Solarstrom mit einer intelligenten Steuerung, die Prioritäten setzen kann, welcher Verbraucher im Haus zuerst bedient wird. Dabei ist heute schon möglich, dass die Autobatterie eines Elektroautos als Speichererweiterung der Haus- Pufferbatterie betrieben werden kann. Dort wird also Energie gespeichert, die die Hausbatterie nicht mehr aufnehmen kann, die deshalb für ein Miniendgeld an den Stromlieferanten verschleudert werden muss. – – Die Autobatterie kann also Strombedarfslücken im Haushalt füllen helfen, der Bezug von teurem externem Strombezug entfällt also teilweise.

    Der Zug ist abgefahren, wir werden ihn von Deutschland aus nicht aufhalten, es ist nur die Frage, ob wir drin sitzen oder am Bahnsteig stehenbleiben mit lauter Zweifeln im Kopf. Drinnen sitzen die Macher, draußen die Miesmacher. Das darf so nicht kommen, das darf so nicht bleiben, dafür setzen sich die GRÜNEN ein mit ihrem ganzen politischen Gewicht.

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