Annette bloggt

Mein Weg zu mehr Fairantwortung
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Zielgruppen gerichtetes Schreiben

3. Oktober 2020

Diese Woche war Welt-Vegetarier Tag (ich wusste gar nicht, dass es das gibt), und ich bin auf Artikel zum Thema „Ernährungsumstellung“ aufmerksam geworden. Ein Artikel hierzu wurde von GEO (ein eher links/grünes Medium) veröffentlicht, und einer von Agrarheute (eher nicht links/grün). Beide Artikel beziehen sich auf die gleiche Studie. Ich war erstaunt, wie die gleiche Studie unterschiedlich ausgelegt werden kann, einmal eben für eine eher linksgrüne Leserschaft, und einmal für eine konservative Leserschaft.  Studie und Artikel findet ihr anbei verlinkt.

Die Studie mit dem Titel „Analyse und Bewertung der gesundheitlichen und klimawandelbedingten Vorteile einer Ernährungsumstellung“ wurde von Marco Springmann, H. Charles J. Godfray, Mike Rayner, and Peter Scarborough der Oxford Universität erstellt. Sie kommt zu folgendem Fazit (dies habe ich 1:1 aus der Studie kopiert, und nach bestem Wissen und Gewissen übersetzt):

Es besteht allgemeiner Konsens darüber, dass eine globale Ernährungsumstellungen mehrere gesundheitliche, ökologische und wirtschaftliche Vorteile haben könnte. Unsere Analyse bestätigt diese Ansicht und macht einen Schritt nach vorne, um bessere Schätzungen des Ausmaßes der möglichen Vorteile und ihrer Verteilung auf verschiedene Regionen zu erhalten. Es wird ein Framework eingeführt, mit dem mehrere Kosten und Nutzen in verschiedenen Sektoren gleichzeitig analysiert werden können. Die Größe des projizierten Nutzens sollte Forscher und politische Entscheidungsträger dazu ermutigen, Maßnahmen zu ergreifen, um die Konsummuster zu verbessern, selbst wenn alle Vorbehalte gegen die unvermeidbaren Unsicherheitsquellen in unserer Arbeit berücksichtigt werden. Wir zeigen aber auch die Größe der Aufgabe. Um eine Ernährung zu erreichen, die einen (minimalen) globalen Konsens über den Verzehr einiger weniger wichtiger Lebensmittelgruppen verkörpert, müsste die Anzahl der weltweit verzehrten Obst- und Gemüsesorten um 25% steigen und der Verzehr von rotem Fleisch um 56% gesenkt werden. In Summe müsste die menschliche Spezies 15% weniger Kalorien verbrauchen. Wir hoffen, dass unsere Arbeit dazu beitragen wird, die gezielten, regionenspezifischen Interventionen zu ermitteln, die sowohl auf der Produktions- als auch auf der Verbrauchsseite des Lebensmittelsystems erforderlich sind, um diese Vorteile zu erzielen.

Los geht es mit dem Titel. Die Studie befasst sich mit einer Ernährungsumstellung. GEO titelt aber „Was, wenn wir alle Vegetarier wären?“, Agrarheute „Was wäre, wenn alle Menschen vegan wären?“

GEO schreibt zum Thema freiwerdende Weideflächen: 20 Milliarden Hühner, 1,5 Milliarden Kühe und je eine Milliarde Schafe und Schweine würden nicht mehr gebraucht. Dadurch würden 33 Millionen Quadratkilometer Land frei, auf denen die Tiere derzeit gehalten werden. Das entspräche ungefähr der Fläche Afrikas, so die Autoren. Die Ackerfläche für den Futtermittelanbau ist hier noch nicht einmal mitgerechnet. Weniger Nutztiere und mehr freie Landflächen helfen im Kampf gegen den Klimawandel, folgert auch AsapScience. Zwar seien viele Gebiete so trocken, dass sie sich ohne menschliches Zutun in Wüsten verwandeln würden. Und mehr Obst- und Gemüseanbau verbrauchen natürlich auch mehr Flächen. In der Summe aber könnten viele ehemalige Weideflächen wieder zu Wald werden – und der absorbiert sehr effektiv klimaschädliches CO2.

Agrarheute allerdings: Natürlich stellt sich sofort die Frage, ob diese Flächen überhaupt für den Anbau pflanzlicher Nahrungsmittel genutzt werden könnten. Springmann sagt, ob sich diese Flächen wirklich für den Anbau von pflanzlichen Nahrungsmitteln eignen, hängt langfristig davon ab, wie viel Arbeit in Bodenmanagement und Bewässerung gesteckt wird.

Geo greift noch das Thema Methan auf: Vor allem aber fiele einer der größten Klimakiller weg: Das Methan, das vor allem Rinder bei der Verdauung prozieren – ein Gas, 25 Mal so klimaschädlich wie CO2. Die Tierhaltung insgesamt stoße mehr Treibhausgase aus als alle Flugzeuge, Züge und Autos zusammen.

Das wird in der Studie allerdings gar nicht berücksichtigt. 

Agrarheute nennt dafür ein Thema der Studie das GEO nicht berücksichtigt: ein Wegfall der tierischen Erzeugung wäre ein zweischneidiges Schwert: „In entwickelten Ländern hätte Vegetarismus sicher eine Menge positiver Umwelt- und Gesundheitsfolgen. In den Entwicklungsländern würde er die Armut jedoch verschlimmern.“ Denn die Nutztierhaltung trägt in vielen ärmeren Ländern wesentlich mit zum Einkommen bei.

Agrarheute schließt damit, dass die Fleischproduktion bis 2050 weiter wachsen wird, und „die Trends zu vegetarischer oder veganer Ernährung oder auch zu „Kunstfleisch“ aus der Retorte oder aus pflanzlichen Produkten, wenig daran ändern. Denn diese Trends beschränken sich vor allem auf die westliche Welt und auch hier nur auf eine eher kleine Gruppe.“

Das Fazit des GEO Artikels bringt die Überlegungen wie folgt auf den Punkt: Doch einen Schritt können wir sofort machen: Aufhören, zu viel (vor allem Fleisch) zu essen – und Lebensmittel wegzuschmeißen!

Ich finds super spannend wie Leser bei diesem Thema durch die Medien beeinflußt werden, der Vergleich dieser Artikel hat dies mal wieder gezeigt.

https://www.pnas.org/content/early/2016/03/16/1523119113

https://www.agrarheute.com/management/agribusiness/landwirtschaft-waere-alle-menschen-vegan-waeren-573482?utm_campaign=ah-mo-fr-nl&utm_source=ah-nl&utm_medium=newsletter-link&utm_term=2020-10-01

https://www.geo.de/natur/nachhaltigkeit/124-rtkl-vegetarische-ernaehrung-was-wenn-wir-alle-vegetarier-waeren

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