Annette bloggt

Mein Weg zu mehr Fairantwortung
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ein hartes Leben

5. Juni 2020

Schon seit einigen Wochen recherchiere ich zu einem Thema, konnte mich aber nicht überwinden darüber zu schreiben. Denn die Recherche führt dazu, dass ich mich nutzlos und schwach fühle. Und die Recherche löst bei mir Brechreiz aus. Aus aktuellem Anlass schreibe ich aber heute doch über den Kastenstand. Aus aktuellem Anlass, denn heute entscheidet der Bundesrat darüber. Und ich kann heute darüber schreiben, da ich mich freue Euch einen sehr informativen Artikel des Spiegel verlinken zu können. Ich freu mich, dass ein Blatt wieder Spiegel darüber berichtet. Den Artikel findet ihr hier:

Wikipedia beschreibt den Kastenstand ganz sachlich so: Ein Kastenstand ist ein Bestandteil eines Schweinestalls, welcher in der Schweineproduktion genutzt wird, um Zuchtsauen während der Trächtigkeit und Säugezeit zu halten. Die vorgeschriebene Größe eines Standes beträgt 200 cm × 65 cm für Jungsauen (bis nach dem ersten Abferkeln) und 200 cm × 70 cm für Altsauen. Zudem müssen die Tiere den Kopf und in der Seitenlage die Füße ausstrecken können.

Ich drücke es mal weniger sachlich aus: Ein intelligentes Lebewesen (und das sind Schweine nachgewiesener Weise) wird in ein Gefängnis gesteckt, das gerade mal so groß ist wie die Sau. Per Hormonspritze wird eine Jungsau fruchtbar gemacht. Im Kastenstand wird sie besamt und bleibt 4 Wochen dort. Eine Woche vor dem Geburtstermin (also nach ca. 3 Monaten, eine Sau ist ca. 4 Monate trächtig) kommt sie wieder in den Kastenstand und bleibt dann dort für etwa 5 Wochen. Dort säugt sie die Jungen ist aber durch ein Metallgitter getrennt. Eine Sau durchläuft diesen „Produktionszyklus“ so lange, bis sie die gewünschte „Aufzuchtleistung“ von durchschnittlich etwa 30 Ferkeln pro Jahr nicht mehr erbringt. Danach wird sie geschlachtet. Die meisten Sauen überleben diesen Zyklus nur wenige Jahre.

Seit 1992 ist diese Haltungsform rechtswidrig, geändert hat sich seither nichts. Zitat aus dem oben verlinkten Spiegel Artikel: Als sich der Unmut aufbaute, hatte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner eine Idee. Man könne den Passus mit dem Ausstrecken einfach aus der Verordnung nehmen. Ein paar beherzte Striche, und schon wäre die Sache legal und dem Rechtsstaat genüge getan. 17 weitere Jahre will Klöckner den Bauern das Recht einräumen, ihre Sauen wie gehabt einzusperren, so steht es nun in ihrem Entwurf für die „Siebte Verordnung zur Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung“. Erst danach müssen die Käfige ein wenig vergrößert, die Fixierung der Sau von 35 Tagen auf acht Tage vermindert werden.

Im Bundesrat wird hierzu seit Monaten debattiert, und ein fauler Kompromiss wurde ausgearbeitet: Im Deckzentrum muss lediglich das ausgestreckte Liegen der Sauen in Seitenlage „ohne bauliche Hindernisse “ ermöglicht werden. Ein anderes Schwein zählt wohlgemerkt nicht als Hindernis. Ein fauler Trick, denn die Tiere liegen dicht an dicht. Erst nach der Übergangszeit zählt die Nachbarsau als Hindernis.

Wie dieser Kompromiss, an dem auch Grüne Politiker mitgearbeitet haben zustande kam ist heute nicht mehr richtig nachvollziehbar.

Ich hoffe, dass der Entwurf abgelehnt wird, und das gültige Recht endlich angewandt werden muß.

Bzw. ich muß schreiben: ich hoffte… Der Tagesordnungspunkt wurde nämlich heute von der Agenda der Bundesratssitzung gestrichen! Das Leid der Sauen geht somit weiter.

P.S.: In den meisten europäischen Ländern ist die Kastenstandhaltung nicht, oder nicht für so lange erlaubt. Deutschland geht hier mit schlechtem Beispiel voran.

Quellen, auch mit Bildern anbei:

https://de.wikipedia.org/wiki/Kastenstand

https://www.praxis-agrar.de/tier/schweine/kastenstand-fuer-sauen/

https://www.vier-pfoten.de/kampagnen-themen/themen/schweine-haltung/kastenstand

https://www.agrarheute.com/politik/bundesrat-setzt-entscheidung-ueber-kastenstand-ab-565028

https://www.bundesrat.de/SharedDocs/TO/990/to-node.html;jsessionid=0A04E0C709B67F5F2DABE966BB4560A3.2_cid365

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